Rund um die Fliese

Michael Gottwald Verwaltungsservice

Rund um die Fliese

Bodenfliesen

Sie ist vielseitig und robust. Als Bodenbelag genauso beliebt wie an der Wand. Und leider auch immer wieder Gegenstand von Unstimmigkeiten zwischen Mieter und Vermieter: Die Fliese

Obwohl die Fliese im Vergleich zu Holz- oder Teppichböden als eher unempfindlich gilt, kommt es doch trotzdem immer wieder zu Beschädigungen am Steinzeug. Von feinen Kratzern auf der Oberfläche gleich nach dem Verlegen über Bohrlöcher beim Mieterwechsel bis hin zu gesprungenen Fliesen gibt es einiges an Konfliktpotenzial. Der Infodienst Recht und Steuern der LBS stellt einige Streitfälle rund um dieses Thema vor:

In der Küche liegen nach der Einschätzung des AG Rheinbach 14 Dübellöcher im Fliesenspiegel an der Wand durchaus noch im Bereich des Üblichen. Dies gilt zumindest dann, wenn der Mieter eine Arbeitsplatte selbst anbringen musste, weil bei Einzug keine vorhanden war. Somit gehört es zum gewöhnlichen Gebrauch der gemieteten Wohnung eine Arbeitsplatte zu befestigen. Also müsse sich der Eigentümer damit abfinden, wenn sich einige Dübellöcher auf Grund der besonderen räumlichen Situation mitten in den Fliesen befinden.

Allerdings sollte sich ein Mieter schon bemühen, die Bohrlöcher nur in den Fugen zu platzieren, da sie dort weit geringere Schäden verursachen. So musste nach einer Entscheidung des AG Berlin-Köpenick ein Mieter den Schaden für einige gerissene Fliesen ersetzen, weil er durchaus in der Lage gewesen wäre seine Badezimmermöbel mit Bohrungen in den Fugen anzubringen.

Ein Mieter hat nach Einschätzung des LG Berlin keinen Anspruch auf Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands, wenn der Vermieter die Fliesen auf dem Balkon im Zuge von Renovierungsarbeiten entfernen und durch günstigeren Estrich als Bodenbelag ersetzen läßt, weil der Wohnzweck dadurch nicht beeinträchtigt sei. Allerdings sei es etwas ganz anderes, wenn in Innenräumen z.B. Parkettböden oder Stuckdecken entfernt würden, da diese den Wohnwert erhöhten.

Nach einem Schadensfall hat der Wohnungseigentümer grundsätzlich einen Anspruch auf Austausch einiger Badfliesen. Wenn allerdings die extakt selbe Fliesensorte nicht mehr zu bekommen ist und der Ersatzpflichtige nur ein sehr ähnliches Muster verlegen lassen kann, muss der Eigentümer nach Ansicht des LG München I dies hinnehmen. Auch wenn der Unterschied auffalle, sei im konkreten Fall die Mehrbelastung für eine komplette Neuverlegung nicht mehr zumutbar. Allerdings erhielt der Betroffene in diesem Fall einen Schadenersatz zugesprochen, da es zu einer Wertminderung gekommen sei.

In einem weiteren Fall hatten sich Vermieter und Mieter geeinigt, dass der Mieter auf eigene Kosten die Badezimmerwände umlaufend fliesen lassen durfte. Nach etwa zehn Jahren war im Zuge von Renovierungsarbeiten eine weitere Neuverfliesung notwendig. Das AG Berlin-Lichtenberg hat eine Mieterhöhung wegen gesteigerten Wohnwertes abgelehnt, da die wohnwertsteigernde Maßnahme ursprünglich durch den Mieter erfolgt sei.

Wenn durch eine gebrochene Fliese Asbest austritt, wird der Gebrauchswert der Mietwohnung deutlich gemindert, denn es besteht die Gefahr einer Gesundheitsschädigung. Deshalb hat das LG Berlin einer Mietminderung von 10% bis zur Behebung des Schadens zugestimmt.

Ein Vermieter kann sich nicht dagegen wehren, wenn der Mieter einen Fliesenspiegel in der Küche anbringt, urteilte das AG Fürstenwalde. Ein Fliesenspiegel gehöre zu einer normalen, angemessenen Ausstattung einer Wohnung und schütze schließlich auch die Wandfläche vor schädlichem Spritzwasser aus der Spüle.

Wer Fliesen verkauft und auch einbaut ist in der Pflicht seinem Kunden elementare Informationen über Gefahren durch unsachgemäße Reinigung zu geben. Das OLG Frankfurt vertritt die Ansicht, dass dies eine Nebenpflicht des Handwerkers sei. Er wird somit ersatzpflichtig, wenn das Fugenmaterial säurehaltige Pflegemittel nicht verträgt und Fliesen deshalb herunter fallen, wenn er die Pflegehinweise nicht an seinen Kunden weitergegeben hat.